Automotive integrated Development, die »Blaupause für eine integrierte Entwicklung Software-bestimmter Systeme«

Im Interview mit Christian Hertneck erfahren Sie, wie Sie mit der Blaupause für einen integrierten Entwicklungslebenszyklus für Transparenz sorgen und immer die erforderlichen Aktivitäten zur richtigen Zeit durchführen.

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Herr Hertneck, »Integration« ist in der E/E-Entwicklung in aller Munde. Ein Beispiel: der Trend zunehmender Konnektivität und Digitalisierung führt zu sich zunehmend verschränkter Backend- und fahrender Funktionalität.

Damit rücken neue Kriterien wie Datensicherheit und Update-Fähigkeit in den Vordergrund. Wie kann diese zunehmende Komplexität adressiert werden?

Indem die benötigten Tätigkeiten transparent gemacht, strukturiert und verzahnt werden. Hierfür haben wir eine Blaupause entwickelt – AiD steht für Automotive integrated Development. Dabei geht es nicht um ein neues »Modell« mit immer noch mehr Anforderungen. Das hilft keinem weiter.  Ziel von Automotive Integrated Development ist es stattdessen, die wesentlichen Pfade und Abhängigkeiten auf dem Weg durch den Dschungel unterschiedlichster Anforderungen aus Standards und Normen aufzuzeigen. 

Mit der Nutzung von AiD werden typische Risiken im Verlauf einer Entwicklung frühzeitig adressiert. Durch das Aufzeigen der Abhängigkeiten können nötige Aktivitäten rechtzeitig geplant, geschätzt und nachvollzogen werden. Beispielsweise Konzepte und Analysen für Safety- und Cybersecurity-Aspekte fließen in die Architektur ein und werden nicht nachträglich dokumentiert. Auch neue Aufgaben wie Machine Learning oder Datenmanagement lassen sich so aufgreifen.

Christian Hertneck ist Principal bei Kugler Maag Cie.

Seine Leidenschaft gilt seit über zwanzig Jahren dem Zusammenspiel und der  Weiterentwicklung von Organisationsabläufen und Mitarbeiterkompetenzen, um Innovationsfähigkeit und Erfolg zu gewährleisten. 

Mehr zu Automotive Integrated Development

Hier erfahren Sie, wie Sie mit AiD einen integrierten Entwicklungslebenszyklus mit allen Ihren Anforderungen – Cybersecurity, Automotive SPICE®, Funktionale Sicherheit, Konfigurationsmanagement, Qualitätssicherung, Risikomanagement, etc. – aufsetzen und so für Transparenz sorgen können.

Was genau soll ich mir unter Automotive integrated Development vorstellen?

AiD ist eine Art Blaupause oder generischer Bauplan für wesentliche Aktivitäten eines kompletten E/E-Produktlebenszyklus im Automotive Umfeld. AiD versucht verschiedene Sichten auf die nötigen Aktivitäten und deren Integration aufzuzeigen. Habe ich beispielsweise die Herausforderung, Datenmanagement und Security in meine Engineering-Aktivitäten zu integrieren, liefert AiD eine gefilterte Darstellung genau der dafür nötigen Aktivitäten und deren Abhängigkeiten.

Welche Vorteile erhalten Zulieferer und Automobilhersteller dadurch?

Mit Hilfe von AiD kann auf die jeweils spezifische Herausforderung eingegangen werden. Im Rahmen eines integrativen, ganzheitlichen Ansatzes wird mit dem Partner erarbeitet, welche Sichten für ihn relevant sind. AiD liefert dann eine Vergleichsgrundlage zwischen bestehendem und möglichem zukünftigen Vorgehen in der Organisation. In der Umsetzung stehen wir mit unserer breiten praktischen Erfahrung dem Partner zur Seite.

Wo sehen Sie Herausforderungen in der Umsetzung?

Die aktuellen Herausforderungen unserer Kunden sind wesentlicher Treiber für die Inhalte des AiD Blueprints. Dazu nenne ich Ihnen gerne ein paar Beispiele: Agile Methoden und Praktiken werden halbherzig und wenig prozessorientiert umgesetzt – mit dem Ergebnis, dass wesentliche Aktivitäten zur Erfüllung von Standards nicht oder zu spät angegangen werden.

Bei unserer Arbeit mit Kunden begegnet uns regelmäßig, dass Konzepte zur Absicherung von Datensicherheit bzw. Produktsicherheit (u.a. UNECE, SOTIF, Funktionale Sicherheit, Cybersecurity) viel zu spät entwickelt werden. Das ist gefährlich.

Nach wie vor sind viele Entwicklungsvorhaben getrieben von Elektronik- oder Hardware Sicht, obwohl der Großteil der Funktionalität in der Software entsteht – Stichwort »Software Centric Organization«.

Auch für den Produktlebenszyklus gibt es zahlreiche Beispiele: Viele der Dienstleistungen im und um die Mobilität basieren auf dem Beherrschen von Daten. Hier fehlt häufig ein systematischer Umgang und Management der Daten angefangen von der Entwicklung bis hin zum Betrieb, »Connectivity« etwa oder Data Operations.

Ich sehe aber auch Klassiker, wie das zu späte Einbeziehen der internen und externen Schnittstellen wie Produktion, Service oder Vertrieb. Und dann gibt es natürlich die Herausforderungen an das Erreichen und Halten der Reife und Prozessfähigkeit, um die vereinbarte Zeit, die Kosten und die Qualität einzuhalten.

Wie wird Automotive integrated Development die Arbeit in den Entwicklungseinheiten verändern?

Die Arbeit in der Entwicklung hat sich durch die Globalisierung schon massiv verändert: Teams arbeiten über Zeitzonen und Kulturen hinweg an einem Projekt. In der Lieferkette tragen zahlreiche Partner zu einem System bei. Aktuelle Trends wie Digitalisierung, Machine Learning, Konnektivität und neue mobile Lösungen verstärken die Abhängigkeiten. Daher ist AiD die richtige Antwort auf die Verschmelzung von Standorten, Wertschöpfungspartnern und nicht zuletzt Technologien – wir schaffen Transparenz über die Wertschöpfungskette und den gesamten Produktlebenszyklus.

Herr Hertneck, vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Gespräch mit Christian Hertneck, Principal bei Kugler Maag Cie, führte Olga Henzel.