|
KMC-Forum 2013

Die agile Organisation

Die Keynotes auf dem Kugler Maag Cie-Forum 2013

Jens Coldewey benutzt in seiner Keynote ein Modell der Agile Alliance, um zu illustrieren, welche Charakteristika eine agile Organisationskultur typischerweise kennzeichnen. Kann man mit Scrum die letzten 30 Jahre Software und System Engineering vergessen? Nein, so lautet das klare Fazit von Dr. Ernest Wallmüller.

Wer heute modern sein will, streut bei passender Gelegenheit Sätze wie "Wir sind ja auch agil, wir machen tägliche Standups" in die gepflegte Unterhaltung ein, gerne auch mit dem Nachsatz "und wir haben ja auch so ein Scrum-Team eingeführt, natürlich mit Anpassungen". Oft genug sind diese Organisationen aber beliebig weit von agilen Fähigkeiten entfernt. Was aber macht eine erfolgreiche Agile Organisation aus? Und warum sollte man das anstreben? Wie weit muss man dafür mindestens gehen und wie weit kann man gehen?

Agilität umfasst mehr als Scrum

Diese Keynote stellt die typischen Charakteristika agiler Organisationen dar, wie sie in einem Modell der Agile Alliance anhand dutzender Unternehmen aller Größenordnung und Branchen herausgearbeitet wurden. Sie beleuchtet, welche Voraussetzungen mindestens erfüllt sein müssen, um aus agilen Teams auch geschäftlichen Mehrwert ziehen zu können, insbesondere wenn die Wertschöpfung nicht alleine auf der IT basiert. Und sie gibt Beispiele, wie weit man gehen kann: Am Ende des Spektrums treffen sich Konzepte der Agilität mit Überlegungen aus dem Umfeld der "Beyond Budgeting" Bewegung und des "Betakodex".

agile organisation
Abb.: Jens Coldewey

Über den Referenten

Jens Coldewey ist Münchner Geschäftsführer der it-agile GmbH. Er praktiziert agile Verfahren seit 1998 und hat unter anderem Erfahrungen mit Crystal, Scrum, eXtreme Programming und Kanban. Sein Hauptinteresse gilt heute innovativen und selbstorganisierten Unternehmensstrukturen. Er war Vorstandsmitglied der Agile Alliance Non-Profit-Organisation, Chefredakteur der Fachzeitschrift OBJEKTspektrum und hat als Sprecher und im Programm Kommitee an zahlreichen internationalen Konferenzen mitgewirkt, unter anderen Agile, XP, XPDays und OOPSLA. Jens Coldewey ist Senior-Consultant der Agile Product and Project Management Practice des Cutter Consortiums, Boston, USA und arbeitet mit in der "Agile Enterprise Adoption Workgroup" der Agile Alliance.

agiles Software Engineering
Abb.: Ernest Wallmüller

In seiner Keynote referiert der Fachbuchautor Dr. Ernest Wallmüller über die Erfahrung mit isolierten Scrum-Projekten in der Finanzindustrie. Alles, was agil  ist, zieht die Aufmerksamkeit des IT-Managements fast magisch an und verleitet zu Sorglosigkeit. Ein Beispiel: Ein großes Programm, bestehend  aus 16 Projekten und einer Laufzeit von vier Jahren, vertraut auf Scrum. Dabei wird die Planung, Schätzung und Kontrolle auf den verschiedenen Ebenen vernachlässigt. Das Programm kommt in Schieflage und muss durch ein Replanning  und vermehrtem  Outsourcing neu aufgesetzt werden.

Erfolgreiches Software Engineering

Tatsächlich ist das Requirements Engineering ein Schlüsselbereich für das agile Arbeiten. Entscheidend dabei ist, ob jederzeit der Sprint-Back Log  ausreichend mit wohldefinierten Use Cases und Anforderungen gefüllt werden kann. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Vor- und Nachteile von agilen Methoden bzw. Prozessen sehr klar zu Tage treten. Allerdings überwiegt manchmal der Eifer der Methodengläubigen. Um reife, agile Prozesse und Projekte erfolgreich umzusetzen, sind die Erfahrungen und Erkenntnisse aus den 30 letzten Jahren Software und Systems Engineering weiterhin unerlässlich.

Über den Referenten

Dr. Ernest Wallmüller ist gefragter Referent auf internationalen Tagungen und Konferenzen sowie Autor zahlreicher Fachartikel und Bücher. Er ist Universitäts-Dozent für Prozess- und Qualitätsmanagement. Ernest Wallmüller leitete Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich Software Engineering und war für Qualitäts- und Produktivitätsverbesserungsprojekte im Informatikbereich verantwortlich.

Kontakt
Softwaredrives