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Reif für die Serie: Agile Softwareentwicklung im Automobilbereich

Aktuelle Branchenstudie belegt: Scrum & Co. auch bei Embedded-Systemen erfolgreich im Einsatz

Geht nicht, gibt's nicht. Dies ist das Fazit der aktuellen Branchen-Survey „Agile in Automotive. State of Practice 2014“, die Kugler Maag Cie durchgeführt hat: Ende 2013 befragten die Kornwestheimer Prozessspezialisten Verantwortliche aus Entwicklungsabteilungen bei Herstellern und Zulieferern in der Automobilbranche. Diese berichten von ihren Erfahrungen beim Einsatz agiler Projektmanagement- und Entwicklungsmethoden wie Scrum, Kanban oder eXtreme Programming.  

Kornwestheim, 29. April 2014 ─ „Automotive ist anders, agile Methoden funktionieren hier nicht. Die Branchenstandards lassen das leider nicht zu.“ Mit dieser Schutzbehauptung wurde die Diskussion  über agile Entwicklungsmethoden in der Fahrzeugbranche lange Zeit im Keim abgewürgt. Einige Pioniere haben sich jedoch nicht beirren lassen. Sie probieren einfach aus, welche agilen Methoden sich im automobilen Arbeitsalltag bewähren und ob Anpassungen erforderlich sind. Obwohl die meisten der befragten Unternehmen noch mit der Pilotierungs- und Roll-out-Phase beschäftigt sind, verfügen sie über durchschnittlich 44 Monate Erfahrung mit agilen Methoden (Stand April 2014).

Agilität wird in erster Linie eingesetzt, um Elektroniksysteme schneller serienreif zu bringen. So werden agile Methoden in der Serienentwicklung (89 %) doppelt so oft angewendet wie in der Forschung oder in der Vorserie (44 resp. 11 %).  Dies erläuterten die Teilnehmer der Branchenumfrage, darunter Entwicklungsleiter  (41 %), Projektleiter (32 %) und Qualitätsbeauftragte (27 %). Die Teilnehmer stammten aus Deutschland und den USA und verantworteten dort verteilte Entwicklungs- und Forschungsprojekte mit weiteren Teams in Osteuropa und Südostasien.

Softwareentwicklung bleibt die Domäne agiler Methoden in der Automobilindustrie ─ über alle Steuergerätetypen hinweg: Sicherheitsrelevante Systeme wie Bremsen oder Fahrerassistenzsysteme werden ebenso inkrementell entwickelt wie Antriebsstränge oder Infotainment-Anwendungen. Unter agilen Methoden verstehen die Pioniere in der Fahrzeugbranche in erster Linie das Projektmanagement-Framework Scrum sowie Kanban zur Prozesssteuerung. Feature Driven Development und XP kommen ebenfalls zum Einsatz. Bei den agilen Praktiken überwiegen Daily Stand-ups (83 %), Retrospektiven und Continuous Integration (72 %). Auf Pair Programming hingegen setzt nur jeder fünfte Entscheider, beispielsweise bei Teams in Südostasien, um bei hoher Fluktuation das Know-how zu halten.

Nichts von der Stange

Die Praktiker in der Fahrzeugentwicklung überlegen gründlich, wie sie agile Methoden für ihre Bedürfnisse anpassen müssen. Am Beispiel von Scrum wird das individuelle Tailoring deutlich: Während fast alle Anwender Daily Stand-ups veranstalten, nutzt nicht einmal jedes zweite Unternehmen User Stories ─ hier wurde wohl noch kein Weg gefunden, umfangreiche Anforderungen durch den Hersteller in plastische User Stories zu übertragen.

Aus Teilnehmersicht steht und fällt die Implementierung agiler Konzepte mit der Unterstützung durch das Management. Ziel und Knackpunkt zugleich ist die Kommunikation im Unternehmen und mit dem Auftraggeber sowie die Freiheit, neue Wege und Vorgehensweisen auszuprobieren. Über höhere Produktivität und Teamzufriedenheit hinaus werden die agilen Pioniere auch durch die bessere Sichtbarkeit im eigenen Unternehmen belohnt: Die kurzen Entwicklungszyklen mit anschließenden Retrospektiven machen den Beitrag der agilen Teams zum Unternehmenserfolg transparent.

Die Ergebnisse wurden auch in einem Poster visualisiert.


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